Der Große Speicher in Frankfurt am Main

Mai 16, 2019

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Carl Theodor Reiffenstein [Public domain], via Wikimedia Commons

Zu den historisch bedeutenden Fachwerkbauten in Frankfurt am Main zählte auch der Große Speicher. Dieses Gebäude-Ensemble war ein Patrizierhof im Nordwesten der Frankfurter Altstadt. Im Kern an den Baustil der Gotik angelehnt, wurde die Hofanlage Ende des 16. Jahrhunderts durch einen Einwanderer aus den Niederlanden mit einem Umbau der Hochrenaissance neu gestaltet – zu dieser Zeit eines der modernsten Bürgerbauwerke der Stadt.

Vorgeschichte

Am südlichen Rand des Rosentals, zwischen Rosengasse und Rotekreuzgasse, war der Standort der ursprünglich gotischen Häusergruppe. Schriftliche Quellen datieren zurück bis auf den Anfang des 15. Jahrhunderts. Der Große Speicher wechselte im Laufe der Jahrhunderte immer wieder den Besitzer. Zinsbucheintragungen von 1412 verweisen auf die bekannte Patrizierfamilie zum Wedel. Damals noch als „Hof mit Garten“ bezeichnet, gilt die Herkunft des Begriffes „Speicher“ bis heute als nicht eindeutig geklärt.

Neugestaltung durch Franz de le Boë

Der welsche Zuwanderer Franz de le Boë gehörte zur Zunft der Seidenfärber. Verbrieft ist hier das Kaufdatum, der 16. Oktober 1585. Seine Umbauten nach den Formen der Hochrenaissance prägten den Architekturstil im Viertel. So gilt die Hofanlage als die frühest dokumentierte Bauanlage in diesem Stil.

Der Große Speicher im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert war geprägt von der Industrialisierung und dem damit verbundenen starken Anstieg der Bevölkerungszahl. Die Besitzverhältnisse wechselten und ein großer Teil der Partrizierbauten ging in bürgerliche Hände. Der neue Besitzer des Großen Speichers, ein Bierbrauer namens J. J. Jung, erwarb den Gebäudekomplex und eröffnete dort ein Brauhaus mit Kegelbahn und Restaurant. Zwischen 1858 und 1863 wurden die historischen Innenräume neugestaltet und teilweise deutlich aufgestockt. Armut und eine massive Überbelegung der Gebäude gehörte in diesen Jahrzehnten zum alltäglichen Bild der Altstadtgebiete.

Verfall und Neugestaltung der historischen Bezirke

Im Jahre 1879 war den Betreibern des Brauhauses die Genehmigung zur Nutzung entzogen worden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs war der Verfall des einst prächtigen Bürgerbaus nicht mehr zu übersehen. 1935 erhielt ein Wirt die Erlaubnis, den Großen Speicher als Altdeutsche Bierstube zu nutzen. Das Aufleben der Nutzung historischer Bauten war nur von kurzer Dauer. Im nationalsozialistischen Deutschland gab es weitreichende Planungen zu Umbau und Sanierung – mit staatlicher Unterstützung bekannt unter der Bezeichnung „Altstadtgesundung“. Diese Ausräumungen mit dem totalen Abriss ganzer Straßenzüge betrafen auch den Großen Speicher, er wurde 1938 abgerissen. Steinerne Reste wurden eingelagert und bei den Bombenangriffen im März 1944 vernichtet. Lediglich einige hölzerne Teile der Fassade konnten durch Auslagerung gerettet werden. Auf dem Gebiet des Großen Speichers befindet sich heute der ehemalige Bundesrechnungshof.