Großer Engel und kleiner Engel – am Übergang der Spätgotik zur Renaissance

von Mai 23, 2019Fachwerkhäuser0 Kommentare

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Der Große Engel und der Kleine Engel bilden einen sechsgeschossigen Gebäudekomplex im Herzen von Frankfurt, der als eines der schönsten Beispiele für den architektonischen Übergang des spätgotischen Stils zur Renaissance in Deutschland gilt. Reich verzierte Fachwerkgeschosse machen die im 2. Weltkrieg zerstörten und dann wiederaufgebauten Gebäude zu einem der bekanntesten Postkartenmotive der Frankfurter Altstadt. 

Lage In Frankfurt

Das Haus Großer Engel, meist einfach als Großer Engel bezeichnet, ist das nördlichste Gebäude der Ostzeile am Römerberg im Zentrum der Stadt mit der Adresse Römerberg 28. Unmittelbar östlich an den Großen Engel schließt sich der Kleine Engel an. Beide Gebäude bilden eine architektonische Einheit. 

Name und Geschichte der Gebäude

Der Name Großer Engel soll auf Angelus de Sassen zurückgehen, dem um das Jahr 1230 das Vorgängergebäude auf der Parzelle gehörte, wo später der berühmte Fachwerkbau entstand. Urkundlich belegt ist der Name erstmals im Jahr 1342, während schriftliche Quellen für den Kleinen Engel erst im Verlauf des 15. Jahrhunderts auftauchen. Das Gebäude des Großen Engels in seiner heutigen Form wurde im Jahr 1562 als Neubau errichtet. 
Erste bildliche Darstellungen der prächtigen Fachwerkgebäude stammen aus der Regierungszeit des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Leopold I. in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Fotografien sind ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben. Im 2. Weltkrieg wurden der Große Engel und der Kleine Engel während der Bombenangriffe auf Frankfurt vollständig zerstört. Bei den heute zu bewundernden Gebäuden handelt es sich um originalgetreue Nachbauten, die während einer umfangreichen Rekonstruktion der gesamten Ostzeile in den 80er Jahren errichtet wurden. 

Architektur

Die Architektur des sechsgeschossigen Großen Engels und Kleinen Engels zeigt eindrucksvoll den Übergang vom spätgotischen Stil zu der darauffolgenden Renaissance. Diese als Übergangsstil bekannte Bauweise vereint das spätgotische steinerne Untergeschoss und Zwischengeschoss aus rotem Mainsandstein mit kleinen Fenstern und die darüberliegenden Fachwerkgeschosse zu einer harmonischen Einheit. Vermutlich wurden die unteren Gebäudeteile beim Neubau von 1562 übernommen.
Das Fachwerk zeichnet sich durch prachtvolle Schnittverzierungen aus. Sie spiegeln den zunehmenden Wohlstand der Frankfurter Bürgerfamilien wider, der mit dem Beginn der Renaissance einsetzte. Zu den Motiven gehören biblische Szenen wie Adam und Eva im Paradies sowie die berühmten Knaggerfiguren mit antikisierenden Darstellungen von Satyrn. Darüber hinaus ist das Gebälk reich an Inschriften. Dazu zählt zum Beispiel der Spruch „DIS HAVS SDEDEDN GOTES| HAND ZVM KLEIN ENGEL IS|T ES GENANT“ am Kragstein des Kleinen Engels – eine der wenigen erhaltenen Inschriften in Mitteldeutsch.